CD-Rezensionen

Von der Liebe zum Detail


Sängerin und Komponistin Annett Kuhr, die sich mit der Gitarre gleich auch noch selbst begleitet, verzaubert auf ihrem Album "Von der Liebe zum Detail" mit, wie es bereits im Untertitel heißt, "Chansons zwischen Schalk und Melancholie". Als Frau Dietrich noch ein Mädchen war, hielt

man sie an einer Leine./Eine Leine lang und unsichtbar"!/Und Frau Dietrich spürt die Leine noch heut, wenn Mutter kommt.", singt Annett Kuhr im Lied "Dietrichs", die mit Liedern wie diesen Einblicke
in Seelen-Landschaften gibt und mit schönen, wohltemperierten Melodien zu überzeugen weiß. Astrale Welten, Marktplätze, alte Treppen, Bars, Lampionblumen und Cabriolets sind die Orte der
f
einen Chansons über Menschen, die immer auf der Suche sind.

Auf der Suche nach – na klar! – dem Glück und Selbstverwirklich-
ung. Kuhr zeigt aber auch tiefe Einblicke in Innenwelten und führt Selbstgespräche, die Leichtigkeit versprechen. Melancholie und Schalk – so scheint es – gehören bei Kuhr mitunter auch zusam-
men, mit "Von der Liebe zum Detail" gelingt der Chanteuse jeden-
falls ein sehr ambitioniertes wie gelungenes, ein federleicht dunkl-
es und ein unaufgeregt anregend berührendes Album mit sparsam arrangierten 18 detailreichen Liedern. "Mein Herz ist ein Kornfeld
voll Inseln aus Mohn,/kaum tauglich zur Ernte, doch schön wär
es schon/heut Nacht dort zu sein. Und wenn keiner uns sieht/
dann leuchten uns Sterne und ein Satellit.", heißt es entlang der vergessenen Wege im Lied "Cabriolet", das sehr gut die Stimmung
des Albums wiedergibt. Wer Chansons mag ist hier jedenfalls best-
ens bedient und wer zuhören kann wird mit den schalkhaften Melancholien des Albums glücklich sein.
(Manfred Horak,
Kulturwoche Wien)

 

Pressestimmen

Über:"Von der Liebe zum Detail"

SCHWARZWÄLDER BOTE                                          29.11. 2009
Musik mit literarischem Anspruch

Sulz. Sie macht nicht viel Aufhebens von ihrer Kunst. Auf der Bühne saß eine Frau mit kurzen Haaren, ganz in schwarz, in der Hand eine Gitarre, neben sich ein kleines Tischchen mit einer Tasse Kaffee von der sie gelegentlich nippte.
Mit ihrem ersten Lied sorgte sie für ein bisschen Lokalkolorit. Mit der »kleinen Stadt«, in der die »Fasnacht die großen Sprünge macht«, ist Rottweil gemeint. Schon da zog sie den Zuhörer hinein in ihre Welt, die geprägt ist von Wärme, einer Spur Melancholie und einem leisen Humor. Nur einmal, da ist er nicht ganz so leise. In »Meistens Blond« sucht sie einen Mann für ihre Freundin. Aber eigentlich ist es eine Liebeserklärung an diese Frau: »Sie pudert ihre Scheu mit Arroganz«, aber »ihr Lachen klingt nach einem Sommertag«. Kuhr hat einen sehr literarischen Zugang zur Sprache. Ihre Lieder würden auch als reiner Text durchgehen.
Die Wärme, die sie ausstrahlt, sollte Kuhr aber nicht als Harmlosigkeit ausgelegt werden. Sie kann auch einen schonungslosen Blick auf das Leben werfen: »Wir betreiben nur, was uns treibt, die Mittelmäßigkeit.« Das kommt aber nur dieses eine mal vor. So als wollte sie sagen: »Hört genau hin, ich kann auch anders.«
Sie lässt die Zuhörer auch an sehr persönlichen, sehr intimen Momenten teilhaben. »Der Ausklang« beschreibt eine kleine Feier nach dem Tod einer Freundin von Kuhr. Sie macht darin das Gefühl nachvollziehbar, dankbar zu sein für die gemeinsame Zeit mit einem wunderbaren Menschen und gleichzeitig zu trauern, weil zu all den schönen Erinnerungen keine neuen mehr dazu kommen werden.
Und sie findet wunderschöne Sprachbilder dafür: »Auf dem Tisch standen Rosen und verloschene Kerzen.« Die Symbole für die Liebe und ein zu Ende gegangenes Leben nebeneinander.
Es ist ein Gefühl wie nach einem langen und intensiven Gespräch mit einem guten Freund, mit dem der Zuhörer das Konzert von Annett Kuhr im katholischen Gemeindehaus verlässt. Man hat über das Leben geredet, über die Liebe und auch über den Schmerz. Eingeladen hatte der Heimat- und Kulturverein.
Was die Qualität von Kuhrs Musik ausmacht, wird klar, wenn man nach dem Konzert ins Auto steigt, den Schlüssel herumdreht und aus den Lautsprechern unvermittelt der Bass von belanglosem Pop dröhnt. Kuhr hat tatsächlich etwas zu sagen. Von Jens Sikeler





Liedermacherforum                                                           Juni 2008

"Tatsächlich bin ich auch noch sechs Tage nach dem Konzert  ganz beschwipst, von Kuhrs Ausstrahlung, ihrer hohen Musikalität, ihrer ausdrucksstarken Stimme (um die mancher LM-Kollege sie beneiden mag), und einfach von ihren Liedern ..." Jürgen Faas (
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Schwarzwälder Bote                                                        20.06.2008

".... Mit wachem Blick und verhaltener Ironie hebt sie Untergründiges an die Oberfläche, hält Flüchtiges fest und macht Unscheinbares sichtbar." Bernd Kammerer  ( mehr )

 




Über:"Wenn ich mal tot bin mach ich was ich will"

"Im Stehen sterben"
Annett Kuhr sang im Rahmen der Ausstellung "PflegeKunst"
über den Tod
Es mussten im Singener Rathaus noch drei weitere Reihen gestuhlt werden, als der Hospizverein Singen und Hegau zu einem Liederabend über den Tod einlud. War es der trotzige Titel "Wenn ich mal tot bin, mach ich, was ich will", der gereizt hatte und einen unbefangenen Zugang zu diesem Thema versprach, für das so oft die Worte fehlen?
In einer Stunde bot die Sängerin Annett Kuhr einen kurzen Text und zehn Lieder an, die auf ganz unterschiedliche Weise das Phänomen des Todes und das Sterben in Worte und Töne fassten. Ihr Repertoire reichte von französischen über schweizerdeutsche bis zu berlinerischen Liedern, von Reinhard Mey bis Friedrich Holländer, die sie mit schöner Altstimme sehr deutlich vortrug, nur von ihrer Gitarre begleitet.
Dieses Soloprogramm ist der musikalische Teil der Musik- und Schauspielproduktion "Sterbenswörtchen", mit der Frau Kuhr seit November 2004 zusammen mit der Schauspielerin Anne Hecht auftritt. Gelernte Altenpflegerin zwar, ist die gebürtige Singenerin schon seit 1987 als Sängerin und Komponistin zu sehen und zu hören. Das Thema Tod steht für sie mit der neuen Produktion "Sterbenswörtchen" zum ersten Mal künstlerisch im Mittelpunkt. Sie versteht es auch als ein Gegenprogramm zu der Comedy-Welle, die das Land überrollt. Außerdem empfindet sie das Publikum als sehr angenehm: "Es kommen Leute, die nicht nur darauf warten, loszulachen."Sie möchte stattdessen mit ihrer Musik berühren und zum Nachdenken anregen. Und das gelang ihr auch im Singener Rathaus auf eine unaufdringliche Weise. Einem Lied der Schweizerin Selma Rolli, das um Platz zum Sterben bittet, folgten die humoristischen Überlegungen derselben Liedermacherin zu ihrer eigenen Beerdigung. So wird der Ernst immer wieder ironisch gebrochen, die Beklommenheit von einem Lachen abgelöst. Auf diese Weise wurde vieles fast nebenbei angesprochen: die Hilflosigkeit der Abschiednehmenden, die Fragen, wie man gerne sterben möchte und was einen danach wohl erwartet. Ihr letztes Lied, ein jiddisches, beschreibt den Tod als einen alten Mann, der Kindern beim Spielen zuschaut. Er will nicht, dass sie sich von ihm gestört fühlen, doch sollteihnen bewusst sein, dass der Frühling kurz ist und sie ihn deshalb nutzen sollten. Es ist Annett Kuhr offensichtlich wichtig, genau mit diesem Bild zu enden, mit dem Tod als einem unaufdringlichen, aber immer präsenten Zuschauer des Lebens. Die Zuschauer antworteten mit viel Applaus und mit dem Wunsch nach einer Zugabe.
Doris Bohnet Südkurier, 05.08.2005

 



Über "Nur ein Katzensprung"

 

Lieder um Tod und Abschied
Annett Kuhr präsentierte ihr Programm „Nur ein Katzensprung!“
Die Sängerin, Altenpflegerin und Musiktherapeutin verbreitete ungeheure Lebensbejahung und Freude. Und spannte thematisch einen großen Bogen.

Hennef - Es war ein stiller, bewegender Abend. Wohl selten zuvor stand auf der Bühne im Kur-Theater an der Königstraße das Thema Tod so eindeutig im Mittelpunkt. Doch Annett Kuhr, Altenpflegerin, Musiktherapeutin und vor allem hervorragende Sängerin, verbreitete, trotz schwerer Kost in ihren Songs, eigenen wie gecoverten, eine ungeheure Lebensbejahung und -freude. Der Lebenskreis Hennef hatte sie bei den Recherchen für die jährliche Veranstaltung entdeckt. Der ambulante Hospizverein beschäftigt 28 ehrenamtliche Sterbebegleiterinnen und zwei Trauerbegleiterinnen sowie eine hauptamtliche Koordinatorin. Zwischen 30 und 40 Sterbebegleitungen realisieren sie jährlich, mit rund 80 Trauernden. Trauercafé und thematische Gruppen runden das Programm ab.

Kuhr, Musikerin aus Rottweil im Süddeutschen, hat schon mehrere Programme zusammengestellt. In Hennef präsentierte sie „Nur ein Katzensprung!“ Reinhard Mey hatte sie mitgebracht, mit „Wie ein Baum, den man fällt“ zum Beispiel. Ganz besonders berührend waren die Stücke von Selma Rolli, einer Schweizer Liedermacherin, die sie bei einem Seminar kennen gelernt hatte. Kuhr sang sie in Berndeutsch, lieferte die Übersetzung aber gleich mit..

Die eigenen Sachen vertieften Erlebnisse um den Tod, machten zugleich Mut durch intensive, fast schon intime Beschreibungen vom Abschiednehmen. Im ersten Teil zog die unprätentiöse, beinah bescheiden wirkende Künstlerin die Stimmung ganz tief in den Keller, nicht einmal aufgelockert durch Applaus. Den erbat sie sich für das Ende. Kurz vor der Pause spannte sie dann die Zuhörer einfach als Chor mit ein, „Wer holt uns über“ und „Fährmann, komm und hole über“ sang das Auditorium kräftig mit.

Das Sterben des Vaters, die Abschiedsfeier einer guten Freundin - Kuhr spannte einen breiten Bogen. Und sie erzählte witzig von eigentlich bizarren Situationen. Nach einem eigenen Unfall etwa kletterte sie aus ihrem Auto, das auf dem Dach lag. Ein Bestatterfahrzeug hatte hinter ihr gestoppt, der Fahrer fragte: „Können wir ihnen helfen?“ Sie antwortete: „Noch nicht.“ Es war ein bewegender Abend, eine zärtliche Annäherung an ein vermeintliches Tabuthema, vorgetragen von einer einfühlsamen Künstlerin.